Status Quo

Risiko

Zurzeit bedeutet eine Schwangerschaft in der Selbstständigkeit ein untragbar hohes wirtschaftliches Risiko für einzelne Betroffene. Das Kranken(-tage)geld ist für Selbstständige derzeit die einzige Möglichkeit, die persönlichen Lebenshaltungskosten abzusichern – jedoch aufgrund zahlreicher Ausschlusskriterien kein geeignetes Instrument dafür. Die Absicherung von Betriebskosten ist derzeit nur bei wenigen Versicherungen und lediglich für schwangerschaftsbedingte Krankschreibungen möglich. Betriebsausfallversicherungen, Inhaberausfallversicherungen und Praxisausfallversicherungen decken die Zeit des Mutterschutzes und den individuellen und persönlichen Gesundheitsschutz nicht ab.

Du suchst Informationen, weil du eine Schwangerschaft planst? Bald gibt es dafür mehr Informationen, die wir hier auch verlinken!

Rechtliche und politische Rahmenbedingungen

Das Grundgesetz spricht jeder Mutter den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft zu. Die Relevanz eines Mutterschutzes für Selbstständige hat auch die Bundestagspetition für „Gleiche Rechte im Mutterschutz für selbstständige Schwangere“ von Johanna Röh und der Initiative Mutterschutz für Alle! gezeigt. 111.794 Unterschriften und ein fraktionsübergreifendes, höchstes Votum verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf. Neben der breiten Zustimmung aus der Ampelkoalition fordert auch die Unionsfraktion Verbesserungen im Mutterschutz für Selbstständige mit ihrem Antrag „Schwanger- und Mutterschaft für Gründerinnen und Selbständige erleichtern“. Derzeit führt das Familienministerium eine „Bedarfsanalyse“ durch. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Vergleich andere Länder

Kein Land setzt den Mutterschutz für Selbstständige lückenlos um und auch der Gesundheitsschutz vor dem eigentlichen Mutterschutz bleibt unberücksichtigt. Jedoch können internationale Beispiele für Ansätze in Deutschland herangezogen werden.

Beispiele:

Niederlande: Umfang der geleisteten Stunden als Berechnungsgrundlage der Mutterschaftsleistungen.

Schweden: Für Schwangere in der Betriebsgründung dient als Berechnungsgrundlage ein vergleichbares, branchentypisches Einkommen.

Österreich: Wahlleistung aus Wochengeld von ca. 420€/Woche oder Finanzierung einer Betriebshilfe. Auch im Hinblick auf die Landwirtschaft in Deutschland lohnt es sich, diese Möglichkeit für alle Selbstständigen weiterzudenken.

Umfrage

Aufgrund fehlender Zahlen führte die Initiative „Mutterschutz für Alle! e. V.“ eine eigene Umfrage mit 1.632 Teilnehmenden durch. Nur 6,5 % der selbstständigen Mütter gaben dabei an, keine wirtschaftlichen Nachteile durch ihre Schwangerschaft in der Selbstständigkeit erlitten zu haben – von denen mit einer Krankengeldversicherung waren es immerhin 17,5%

Das verdeutlicht: 82,5 % hatten demnach wirtschaftliche Nachteile – trotz guter Vorsorge. Zur Gegenüberstellung: Angestellte Schwangere müssen zumindest in der Schwangerschaft und im Mutterschutz keine finanziellen Abstriche machen.

Die Umfrage ergab außerdem:

  • Jede 4. Befragte könnte sich vorstellen, selbstständig zu werden, zögert aber aufgrund der aktuellen Mutterschutzregelungen
  • 13,5 % der selbstständigen Personen gaben an, aufgrund ihres Kinderwunsches ihre Selbstständigkeit aufgeben zu wollen
  • 35 % der selbstständigen Mütter gaben an, aufgrund der Erfahrung der Schwangerschaft in der Selbstständigkeit auf ihren weiteren Kinderwunsch zu verzichten